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  Drosophilazucht:

Einleitung:
Mit dem Einzug unserer Jungferngeckodame haben wir uns entschlossen auch die entsprechenden Futtertiere – im betreffenden Fall Fruchtfliegen - selbst zu züchten.
Wie auch schon bei unserer Grillenzucht sollte die Methode einfach und kostengünstig, das Endergebnis aber unbedingt qualitativ hochwertig sein.
Auf Megaerträge waren und sind wir aufgrund unseres kleinen, Fruchtfliegen-fressenden Reptilen- und Amphibienbestandes nicht angewiesen.

Wir mussten uns also zunächst für eine der in Frage kommenden Arten entscheiden. Nach kurzer Webrecherche haben wir uns für die „Große flugunfähige Essigfliege“ Drosophila hydei entschieden. 
Die nachfolgende Beschreibung bezieht sich also vorwiegend auf diese Art – wobei es in der Zucht, abgesehen von den Entwicklungszeiten, eigentlich keinen gravierenden Unterschied geben soll.

Benötigtes Material:
Die Grundausstattung zur Zucht besteht lediglich aus mehreren Gläsern/Behältern mit etwa 0,5 Liter Fassungsvermögen; geeignetem luftdurchlässigen, aber ausbruchsicheren Abdeckmaterial; etwas Holzwolle und entsprechendem Futterbrei.
Ja, und natürlich einem Zuchtansatz Fliegen

Die Behälter:
Ganz simpel: 0,5 Liter Essig-Gurkengläser oder ähnliches mit weitem Hals. Davon benötigt man mindestens vier bis fünf Stück.
Kosten: 0,00 Euro

Abdeckmaterial:
Nylonstrümpfe oder ähnliches. Da wir noch genügend Gartenvlies (zum Abdecken von Obst/Gemüse) zu Hause hatten haben wir uns hierfür entschieden.
2 Lagen davon sind ausreichend luftdurchlässig und bis dato konnte keine Fliege entkommen. Fixiert wird das Ganze einfach mit Gummiringen.
Kosten: etwa 5-7 Euro für 10m² des Materials, wobei man bei jedem Glaswechsel gerade mal zwei Stück mit ca. 10x10cm = 0,02m² benötigt. Damit kommt man also ewig aus. 

Holzwolle:
Die Holzwolle ist nur zum Vergrößern der Kletteroberfläche in den Gläsern notwendig.
Und hier der Tipp für jene, die wie wir, lange nach einer Bezugsmöglichkeit für Holzwolle gesucht haben: Fragt einfach in einem Baumarkt oder Gartencenter in der Obst- bzw. Gemüseabteilung danach. In der Regel wird sie da als Unterlagsmaterial für Erdbeeren o.ä. verkauft. Etwas problematisch ist nur die Packungsgröße. Wir mussten gleich 2,5kg des Materials kaufen. Pro Glaswechsel benötigt man aber lediglich ein paar Gramm.
Kosten: etwa 8 Euro für 2,5kg.

Futterbrei:
Der Futterbrei ist scheinbar das Um und Auf der Drosophilazucht. Jeder wird hier auf ein anderes Rezept schwören. Manche davon sind so aufwändig, dass man schon einiges an Kochtalent benötigt.
Unsere Vorgabe war wie oben erwähnt: Einfach, kostengünstig aber gut!
Mit „einfach und kostengünstig“ schieden schon mal 95% aller Rezepte, die wir finden konnten, aus.
Entschieden haben wir uns schlussendlich für folgendes Rezept, welches wir im Internet gefunden haben und nur noch mit etwas Essig bereichert haben. Damit haben wir auch bis dato keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Unser Rezept:

  • 1 Glas Apfelmus 0,5 Liter (das Glas hat auch gleich die richtige Größe für die Zucht)
  • 1 Packung Haferflocken (0,5 kg)
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 2 TL Essig (für das eher saure Milieu, gegen Schimmel)

Das Ganze wird einfach abgemischt und mit etwas Wasser vermengt bis eine eher feste, formstabile Masse daraus entsteht. Das wars dann auch schon wieder.

Da pro Zuchtansatz gerade mal ein kleiner Teil der Menge benötigt wird, frieren wir den Rest einfach in einem Tiefkühlbeutel ein. Flach gedrückt lassen sich für das nächste Glas ganz einfach Stücke in der passenden Größe herunterbrechen.

Kosten: Beim Discounter gerade mal 1,50 bis 2 Euro für gut 1 Kilo Brei


Die Gesamtkosten der Grundausstattung, mit welcher man eine ganze Zeit das Auslangen findet, belaufen sich also auf maximal 15 bis 20 Euro.
Grob umgerechnet auf ein Glas frisch geschlüpfter Futterfliegen wären das gerade mal 20 bis 30 Cent.
Wenn man genügend Nylonstrümpfe und Holzwolle (z.B. als Verpackungsmaterial) zu Hause hat, beschränken sich die Kosten natürlich lediglich auf die Ausgaben für den Futterbrei und den ersten Zuchtansatz womit man dann auf in etwa 13 bis 15 Cent pro Glas kommt.

Die Zucht:
Die Zucht läuft bei normalen Zimmertemperaturen von 20 bis 23°C einwandfrei. Zu warme oder zu kalte Temperaturen bewirken eine eingeschränkte Vermehrung bzw. ein Absterben der Fliegen und Maden.

Zunächst wird der Futterbrei etwa 1,5 cm hoch in das erste Ansatzglas gefüllt. Bei zu wenig Brei finden die Fliegen und deren Maden nicht ausreichend Nahrung vor und sterben eventuell ab. Bei zu viel Brei kann es zu Schimmelbildung kommen. 
Nachdem auch etwas Holzwolle in die Gläser gegeben wurde fehlen also nur noch die Fliegen.

Den Ansatz,den man zu kaufen bekommt, füllt man am Besten sofort in das frisch gerichtete Glas um. Da sich im Ansatzbehälter (aus dem Geschäft) in der Regel bereits die ersten Fliegenmaden tummeln kann man diesen Behälter nach dem Umsetzen der Fliegen gleich ohne weiteres Zutun stehen lassen, und muss nur noch auf den Schlupf der nächsten Generation warten.
Zu beachten wäre allerdings, dass der Futterbrei nicht austrocknet (ggf. mit Wasser etwas nachfeuchten – ohne dabei die Maden/Fliegen zu ertränken)

Die frisch umgesetzten Fliegen bleiben nun etwa 10 Tage im ersten eigenen Zuchtglas. Danach werden sie dann bereits in das zweite Zuchtglas umgesetzt, nach weiteren 10 Tagen in das dritte.
Danach sollten im Ansatzbehälter den man gekauft hat bereits die ersten Fliegen geschlüpft sein. Von diesen füllt man einen Teil in das vierte Ansatzglas – der Rest wird eventuell in einem 5. Glas noch zwei, drei Tage mit frischem Futterbrei versorgt und kann anschließend verfüttert werden.
So sollten nun alle 10 Tage frische Fliegen schlüpfen von denen man immer einen Teil als neuen Ansatz verwendet und den Rest verfüttert.
Ein gesamter Zyklus beträgt von der Eiablage bis zum Schlupf der neuen Generation laut Literaturangaben etwa 30 bis 40 Tage (Angabe für D.hydei – bei Drosophila melanogaster etwa halb so lange).

Zum Umsetzen: 
„flugunfähig“ heißt nicht, dass die Fliegen nicht springen können. Auch das Laufen ist keinesfalls eingeschränkt.
Das mussten wir auch bei unserem ersten Umsetzversuch feststellen. Das Ergebnis sah in etwa so aus: 20 Fliegen im neuen Glas der Rest im gesamten Badezimmer verteilt.
Um euch das Desaster zu ersparen, hier ein paar Praxis-Tipps zum Umsetzen.

Sobald die Abdeckung des Behälters geöffnet wurde krabbeln die Minifliegen unaufhörlich nach oben. STÄNDIGES, leichtes Klopfen lässt alle immer wieder nach unten fallen. 

Zum Umsetzen hab ich einen großen Trichter aus einem DIN A3-Blatt gerollt. Auch wenn man dafür eine Hand mehr bräuchte geht es so einigermaßen. Die Fliegen fallen dann durch leichtes klopfen am alten Glas und dem Trichter in das neue Glas darunter. Die dritte Hand wäre dann zum schütteln des neuen Glases notwendig.

Wer es schaffen sollte, dass keine einzige Fliege entkommt verdient in jedem Fall unsere Anerkennung. Wir haben es bis heute noch nicht geschafft. Deswegen wird nur über dem feuchten Waschbecken umgesetzt. Die Ausreißer kleben mit viel Glück fest und werden dann einfach weggespült.

Falls es doch mal, wie bei uns, zu einer Massenflucht kommen sollte hilft nur noch der Staubsauger oder Insektenspray.
Viel Glück! :)

Reinigung:
So, nun bleibt nur noch der ekeligste Teil der Arbeit übrig zur Beschreibung:
Die zur Zucht benutzen, alten Gläser müssen natürlich auch wieder gereinigt werden.
Darin kleben in der Regel die Reste des Breis, die Holzwolle, ein paar tote Fliegen und leere Kokons - dazu kommt, dass das Ganze recht übel riecht.

Wir verwenden „baugleiche“ Gläser von denen ich mir einen Originaldeckel (der dicht abschließt) aufgehoben habe.
Die Gläser befülle ich nach dem Umsetzen der geschlüpften Fliegen raschest möglich mit Wasser. Deckel darauf, etwa eine Stunde stehen lassen zum aufweichen, dann kräftig schütteln und auskippen.
Diese Arbeit erledigt man am Besten im Freien oder über der Toilette.
Wenn man kräftig genug geschüttelt hat sollte das Glas zu 95% frei von Rückständen sein.
Anschließend wird das Glas nur noch gründlich mit Spülmittel gereinigt und ordentlich abgespült.

Schlusswort: 
Wie auch schon bei der Grillenzucht: Wer die Arbeit nicht scheut hat ständig eine ausreichend große Menge Futterfliegen zur Verfügung und das Ganze für 15 bis 30 Cent pro Glas (statt 3,50 Euro im Handel).

Denjenigen, die mehr über die Drosophilazucht wissen wollen empfehlen wir:
„Futtertierzucht: Lebendfutter für Vivarientiere“ von Ursula Friederich und Werner Volland - Ulmer Verlag.


 

Drosophila hydei

 

Puppen von Drosophila hydei

 
   
   
   
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