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  Grillen- und Heimchenzucht:

Einleitung:
Da in diversen Reptilien-Foren immer wieder Fragen bezüglich der eigenen Heimchen- bzw. Grillenzucht auftauchen, haben wir uns entschlossen, euch auch unsere Erfahrungen mit der Futtertierzucht nicht vorzuenthalten. 
Kurz vorweg: Die hier vorgestellte Variante ist eine Low-Cost-Methode und ist nicht auf Mega-Erträge wie bei professionellen Züchtern ausgerichtet. 
Wir verzichten z.B. zur Gänze auf zusätzliche Heizmatten oder Ähnliches. Die Menge der Grillennachzuchten übersteigt aber trotzdem unseren eigenen Verbrauch. 

Die Vorteile der eigenen Zucht bestehen grundsätzlich in der ständigen Verfügbarkeit von Futtertieren in den unterschiedlichsten Größen-Stadien, sodass den Geckos – vom Schlüpfling bis zum adulten Tier – immer Futter in der jeweils passenden Größe angeboten werden kann, und man nicht auf die im Handel gerade verfügbaren Größen angewiesen ist. Des Weiteren lässt sich die Qualität der eigenen Futtertiere steuern. Gut gefütterte Grillen sind gleichzeitig hochwertiges und nahrhaftes bzw. vitaminreiches Reptilienfutter. Außerdem stellt die eigene Zucht eine nicht gerade unerhebliche Kostenersparnis dar, wenn man mehrere Tiere inklusive etwaiger Nachzuchten zu versorgen hat. 
Alles in Allem eine gute Sache, wenn man auch bereit ist, mit den Konsequenzen, also den Nachteilen, zu leben: 
Einer der größten Nachteile ist wohl das ständige Gezirpe ohne Ende – tagsüber und nachts. 
Nicht zu leugnen ist weiters, dass die Zucht auch Arbeit bedeutet (tägliche Fütterung und laufende Reinigungsarbeiten). Eine schlecht gefütterte Population bzw. unzureichend gereinigte Behältnisse (Schimmelbildung, etc.) können auch eine Gefahr für die Reptilien und deren Gesundheit darstellen. 
Weiters reagiert auch das soziale Umfeld (Freunde, Bekannte) oft eher abwertend und mit Unverständnis auf die häusliche Insektenfarm. 
Auf den nächsten Unterseiten möchten wir euch also unsere Futtertierzucht mit Bauanleitungen bis ins kleinste Detail vorstellen. Nachfolgend möchten wir aber noch kurz auf die 3 gängigsten Grillensorten eingehen und euch unsere Erfahrungen damit schildern: 
Die Artenbeschreibungen ersparen wir euch weitgehend, da diese problemlos bei wikipedia zu finden sind.

1) Heimchen: Acheta domesticus 
Die wohl gängigste und meist erhältliche Grillenart in der Terraristik. 
Größe bis etwa 20mm, also die Kleinste der drei hier gelisteten Grillenarten. Zugleich aber die lauteste, schnellste und springfreudigste Art unserer Erfahrung nach. 
Der Vorteil: Heimchen haben im Vergleich zu den anderen Arten die meisten Nachkommen. Nachteil: diese wachsen um einiges langsamer. 

2) Steppengrille: Gryllus assimilis 
Zwischen Heimchen und Steppengrille konnten wir persönlich keinen gravierenden Unterschied was die Zucht und das Handling betrifft feststellen. 
Die Steppengrillen werden allerdings größer als Heimchen (bis ca. 25mm) und sind etwas weniger sprungfreudig. 

3) Mittelmeergrille (Zweifleckgrille): Gryllus bimaculatus 
Mit einer Endgröße von 30 bis max. 35mm ist die Mittelmeergrillen die Größte der drei hier genannten Arten. 
Die geringere Anzahl der Nachkommen wird durch das deutlich schnellere Wachstum im Vergleich zu Heimchen bei Weitem kompensiert. 
Der Nachteil liegt hier in der etwas höheren Geruchsbelästigung. Das Gezirpe ist nicht so schrill wie bei Heimchen und Steppengrille, aber deutlich lauter. 

Die Zucht:
Bei unserer Low-Cost-Methode benötigt man lediglich folgendes:

Unserer Erfahrung nach benötigt man weder eine Beleuchtung oder eine Heizmatte, vorausgesetzt man hat normale Zimmertemperaturen von > 21-22 Grad Celsius. 

Die Zuchtbox wird zunächst wie angegeben ausgestattet. Die Anzahl der Versteckmöglichkeiten (Eierkartons) sollte natürlich auf die Größe des Zuchtansatzes ausgelegt sein.
Pro Dose erwachsener Grillen sollte auch ein Eierkarton angeboten werden. Zu wenig Versteckmöglichkeiten können andernfalls nämlich zu Kannibalismus unter den Grillen führen.
Zum Start der Zucht würden wir zum Kauf von mindestens 2 Dosen erwachsener Tiere raten. Eventuell kann man sich schon im Geschäft die Dosen mit vermehrt weiblichen Grillen (erkennbar am Legestachel) aussuchen. 
Die Grillen werden mitsamt dem vorbereiteten Eiablagebehälter in die Zuchtbox gegeben. Schon bald werden sich die Weibchen am Eiablagebehälter sammeln, den Legestachel durch die Gaze in das feuchte Substrat führen und dort die Eier platzieren. Den ersten Eiablagebehälter belässt man nun für etwa 2 Wochen in der Zuchtbox. Das Substrat im Behälter sollte dabei stets feucht gehalten werden (bei normalen Raumtemperaturen und Verwendung von Quell-Humus sollte zweimaliges Nachfeuchten innerhalb von 2 Wochen völlig ausreichen). 

Nach 2 Wochen wird nun der Deckel einschließlich der Gaze vom Eiablagebehälter genommen und dieser in eine Heimchendose gestellt. 
Die Heimchendose mitsamt dem Behälter stellt man nun am Besten an einen wärmeren Ort. Wir haben sehr gute Erfolge mit der Oberfläche unseres SAT-Receivers gemacht. Das Gerät hat selbst im Standby-Modus eine Oberflächentemperatur von rund 30 bis 35 Grad. Aquarien- und Terrarienabdeckungen oder ähnlich warme Oberflächen erfüllen hier den selben Zweck. Nun heißt es wiederum 2 bis 3 Wochen warten bis die ersten Micro-Grillen das Licht der Welt erblicken. (Fadenförmiger weißer Schimmel während dieser Zeit ist unserer Meinung nach völlig normal und hat auch keine weiteren Auswirkungen auf den Schlupf). 
In der Zwischenzeit wird nun schon der zweite Eiablagebehälter (sofern vorhanden) in die Zuchtbox zu den Zucht-Grillen gegeben.Bis nun alle Jungtiere geschlüpft sind, kann das durchaus weitere 2 Wochen dauern. Die „Schlüpflinge“ werden dabei täglich aus der Heimchendose in die erste Aufzuchtbox (Speiseeis-Dose) überführt und sofort mit Trocken- und Feuchtfutter versorgt. 
Nach ein paar Wochen setzt man dann alle gemeinsam in die größere Aufzuchtbox.
Um die Reinigung der größeren Aufzuchtboxen leichter zu gestalten empfiehlt es sich, mehrere (mind. 2) Boxen vorzubereiten. Bei identischen Boxen benötigt man natürlich nur einen passenden Deckel. 
Bei der Reinigung (wir tauschen das ausgelegte Zeitungspapier und die Eierkartons etwa alle 2 Wochen) werden die Eierschachteln leicht geschwenkt, um den darin enthaltenen Kot auszuschütteln. Die darin befindlichen Heimchen können/bzw. sollten dabei im Eierkarton verbleiben, da man sie dann somit gleich mitsamt dem Karton in die neue Box umsetzen kann. Die in der ersten Box verbliebenen Grillen müssen anschließend per Hand eingefangen und überführt werden. Die erste Box wird schlussendlich geleert und gründlich mit warmem Wasser gereinigt. Einen einfacheren Weg die Boxen zu Reinigen haben wir leider noch nicht gefunden. 
Die Fütterung sämtlicher Grillen ist denkbar einfach. Eine Schale mit ausreichend Trockenfutter steht in den Boxen stets bereit und Feuchtfutter wird 1x pro Tag frisch gereicht. Restliches Feuchtfutter vom Vortag wird immer komplett entfernt. 
Bevor die adulten Grillen oder Heimchen des Zuchtansatzes an Altersschwäche sterben, verfüttert man sie nach und nach und kauft einen weiteren Zuchtansatz. Dies macht man so lange, bis sich der Kreis geschlossen hat und die ersten Nachzuchten soweit sind selbst Eier zu legen. Das kann, abhängig von der Grillenart, zwischen drei und vier Monate dauern. Wenn das aber erst geschafft ist und man die Ansätze gesund erhält, wird man wohl nie wieder in den Terraristik-Shop pilgern müssen um Heimchen oder Grillen zu kaufen. Man sollte sich dann eher einen Abnehmer für die überschüssigen Nachzuchten suchen ;) 

Zuchtbehälter: 
Wir verwenden als Zuchtbehälter die 22-Liter Samla-Boxen von IKEA. Diese sind recht günstig in der Anschaffung und haben auch die geeignete Höhe, sodass selbst Heimchen beim Öffnen des Deckels nicht sofort ausbrechen. 
In den Deckel haben wir zunächst mit einem Kreisbohrer einige entsprechend große Öffnungen geschnitten, welche zur Belüftung der einzelnen Boxen dienen sollen. 
Anschließend wurden die Öffnungen mit einem Stück Alu-Gaze (Alu-Fliegengitter) überspannt (normale Gaze funktioniert ebenfalls). 
Zur Befestigung haben wir uns für transparentes Aquariensilikon entschieden (Panzerklebeband erfüllt den selben Zweck). 
Da seitlich Lüftungsöffnungen erfahrungsgemäß bei diesen Boxen nicht erforderlich sind, ist der erste Zuchtbehälter somit auch schon fertig. Das Silikon sollte natürlich noch ein paar Tage trocknen bzw. auslüften bevor die Box besetzt wird. 

Aufzuchtbehälter: 
Hier unterscheiden wir nur 2 Größen. 
Zum einen die Behälter, in die die gerade geschlüpften Grillen umgesetzt werden und jene, in denen sie ab einer gewissen Größe weiter großgezogen werden. 
Zweitere sind identisch mit dem Zuchtbehälter wie oben angegeben. 
Der Schlüpflingsbehälter hingegen besteht lediglich aus einer 2-Liter Eis-Dose oder Ähnlichem, in welche im oberen Bereich 4-seitig kleine Löcher gestochen wurden. 
Heimchendosen funktionieren als Schlüpflingsbehälter ebenfalls. Diese sind aber nicht so hoch wie die Eisdosen, was dazu führen kann, dass beim Öffnen doch die eine oder andere Micro-Grille entkommt. 

Einrichtung: 
Eine Lage Zeitungspapier, Eierkartons und eine flache Futterschale (z.B.: kleine Blumentopf-Untersetzer) - mehr ist absolut nicht erforderlich, wenn man die Tiere täglich mit Feuchtfutter versorgt. Andernfalls ist zusätzlich eine geeignete Wasserschale bereit zu stellen. 
In diversen Berichten auf anderen Seiten im Internet wird Nagerstreu als Bodengrund empfohlen. 
Da die Einstreu unserer Meinung nach aber absolut keinen Sinn macht, staubt, das Herausfangen der Grillen erschwert und zusätzlich Geld kostet, verzichten wir zur Gänze darauf. 

Eiablagebox: 
Die Eiablagedose besteht aus einer Alu- oder Kunststoffdose mit passendem Deckel, gefüllt mit Substrat und einem Stück Alu-Gaze zum Abdecken des Substrats. 
Das Abdecken des Substrats mit Gaze ist unbedingt erforderlich, da andernfalls die adulten Grillen die frisch abgelegten Eier ausgraben und fressen würden. 
Zum Abdecken empfehlen wir in diesem Fall wirklich Metall-Gaze, da wir die Erfahrung machen mussten, dass gerade Mittelmeergrillen richtige Löcher in normale Gaze fressen können, um an die begehrten Eier zu gelangen. 
In den Deckel der Dose wird zunächst ein Loch geschnitten. Hierbei ist nur darauf zu achten, dass allseitig ein etwa 1cm breiter Rand bleibt um später das Gitter ausreichend zu überdecken. Anschließend wird die Dose mit feuchtem Substrat (wir verwenden Terrarien Quell-Humus) - locker, aber übervoll - angefüllt, ein Stück Alu-Gaze in der entsprechenden Größe darüber gelegt und diese mit dem ausgeschnittenen Deckel nieder gepresst. Noch ein Tipp zum Substrat: 
Wir feuchten den Quell-Humus zunächst in einer Glasschüssel an bis dieser komplett aufgequollen ist. Bevor die Dose damit befüllt wird, stellen wir die Glasschüssel noch für etwa 3 Minuten in die Mikrowelle damit sämtliche Keime, Pilze und Bakterien im Substrat weitgehend abgetötet werden.

Trockenfutter: 
Auch hier findet man diverse Super-Rezepte im Internet. Teilweise mit Trockenhefe oder ähnlichem für besonders rasches Wachstum der Grillen. 
Da wir diese Futtermischungen nicht getestet haben und somit auch keine Erfahrungen mit den Wachstumsbeschleunigern haben, stellen wir hier auch nur unser Futtermittelrezept zur Verfügung, mit welchem wir bis dato nur gute Erfahrungen machen konnten. 
Unsere Futtermischung besteht aus: 
~ 60% Haferflocken 
~ 25% Teichsticks (Fischfuttersticks für Gartenteiche) 
~ 15% Hundefutter (Trockenfutter) 
Mit einem elektrischen Zerkleinerer (Moulinette, Kaffeemühle oder Ähnlichem) lässt sich die Mischung problemlos zermahlen. 

Feuchtfutter: 
Sämtliches Obst und Gemüse (natürlich möglichst nicht mit Insektiziden verseucht). 
Wir bevorzugen Karotten, welche täglich frisch gereicht werden. 
Mit einem Gemüseschäler (Sparschäler) lassen sich hier auf einfachste Weise schmale Streifen schneiden welche von den Grillen gut gefressen werden können. 
Die Vorteile des Feuchtfutters liegen natürlich in der zusätzlichen Vitaminversorgung der Grillen welche schlussendlich wiederum den Reptilien zu Gute kommt. 
Ob das Carotin der Karotten in weiterer Folge auch Auswirkungen auf die Farben der Geckos hat, wissen wir leider nicht :) 
Bei Feuchtfutter muss lediglich darauf geachtet werden, dass Reste spätestens bei der nachfolgenden Fütterung am nächsten Tag wieder aus den Boxen entfernt werden, damit es nicht zu Schimmelbildung kommt. 

Wasserversorgung 
Da wir Feuchtfutter anbieten, bekommen unsere Grillen kein Wasser. 
Wer aber auf die Gabe von Feuchtfutter verzichten möchte, muss den Grillen unbedingt zusätzlich Wasser anbieten. 
Von Aqua-Gel oder Schwammtränken als Darreichungsform raten wir hier (aufgrund mehrerer Erfahrungsberichte im Web) ab, da diese angeblich rasch zur Bakterienbrutstätte werden können. 
Eine geschlossene Schale mit Docht soll hier die bessere Wahl sein. 
Bauanleitungen hierfür lassen sich unter dem Suchbegriff „Dochttränke“ recht rasch im Internet finden. 

Schlusswort: 
Probiert einfach mal einige Varianten aus, um die, für euch, optimalste Methode zu finden! 
Falsch machen kann man nicht viel wenn man die Tiere gut mit Futter versorgt und auf Hygiene in den Boxen achtet. 

Denjenigen, die mehr über die Heimchen- und Grillenzucht wissen wollen empfehlen wir:
„Futtertierzucht: Lebendfutter für Vivarientiere“ von Ursula Friederich und Werner Volland - Ulmer Verlag.


 

 

 

Kleine Grillenzucht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heimchen männlich

 

Steppengrille weiblich

 

 

 

 

 

fertig eingerichtete Zuchtbox

 

 

Eiablagedose

 

 

Mikro Heimchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuchtbehälter

 

mit Alu-Gaze bespannter Deckel

 

Aufzuchtbehälter

 

Bestandteile Eiablagebehälter

 

Eiablagebox

 

Trockenfuttermischung

 

geraspelte Karotten

 
   
   
   
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