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  Inkubator - unser Baubericht

Einleitung:
Es gibt einige Möglichkeiten einen Inkubator auf recht einfache und vor allem kostengünstige Weise selbst zu bauen. Angefangen vom Aquarium-Inkubator über simple Styroporboxen oder Holzkonstruktionen die mittels Heizkabel beheizt werden bis hin zu den etwas größeren Varianten aus Kühl- bzw. Gefrierschränken.
Eines haben alle gemeinsam: Eine Hülle (möglichst wärmegedämmt), ein Heizelement und eine Temperatursteuerung.

Wir haben uns für den Umbau eines Getränke-Kühlschranks entschieden.
Diese Variante bietet in der Regel den meisten Platz, hat gute Wärmedämmeigenschaften, gibt optisch einiges her und bietet durch die Glastüre zusätzlich die Möglichkeit die Gelege auch ohne Öffnen des Inkubators begutachten zu können.
Einen Haken hat diese Variante natürlich auch: Ein Gefrierschrank ist relativ hoch und wärmere Luft steigt immer nach oben –  um zu große Temperaturunterschiede zu vermeiden, ist es ist als unumgänglich für Umluft zu sorgen.

Die Hülle:
Die Hülle besteht bei unserem Inkubator wie gesagt aus einem ausgedienten Getränkekühlschrank. Viel ist für die Nutzung als Inkubator dabei nicht zu tun. Lediglich das Kühlaggregat an der Rückseite, sowie die Kühlmittelleitungen im Inneren des Gerätes mussten ausgebaut werden.
Für die Stromzufuhr zum Heizelement bzw. zu den Umluftventilatoren und das Verlegen des Temperaturfühlerkabels sind anschließend ein paar Löcher durch die Rückwand zu bohren, sofern diese nicht ohnehin bereits vorhanden sind.
Im Grunde war es das dann auch schon wieder mit dem Vorbereiten der Hülle.
Gebrauchte oder defekte Getränkekühlschränke oder Weinkühler werden übrigens oft zu akzeptablen Preisen bei diversen Auktionsplattformen angeboten.

Das Heizelement:
Die Wahl des Heizelementes hängt sehr stark vom zu beheizenden Volumen des Inkubators bzw. von der Temperaturempfindlichkeit der zu inkubierenden Gelege ab.
Bei der Aquarienmethode reicht ein einfacher Aquarienheizstab und kleinere Inkubatoren lassen sich sehr gut mit Heizkabeln beheizen. Einen Nachteil haben beide Heizelemente: sie sind sehr träge - lange Aufheizzeiten und ebenso lange Abkühlphasen können sich negativ auf empfindlichere Gelege auswirken
Wir haben uns daher für eine 230V Ringrohrheizung mit einer Leistung von 200 Watt entschieden.
Vorteil: sehr schnelle Aufheizzeiten, kurze Abkühlphasen, kostengünstig.
Nachteil: das Element wird, wenn es über einen längeren Zeitraum in Betrieb ist, wie es z.B. bei der ersten Aufheizung des Inkubators der Fall ist, sehr heiß! Einfach mit Silikon an die Rückwand kleben, wie man es eventuell mit einem Heizkabel machen würde, geht also nicht!
Einige Zentimeter Abstand zu den Innenwänden oder sonstigen Einbauten sind unbedingt erforderlich.
Vier Metallwinkel aus dem Baumarkt waren für uns Mittel der Wahl zur Befestigung. Das oberste Loch der Montagewinkel musste lediglich auf den Durchmesser der Ringheizung aufgebohrt werden um diese anschließend einfädeln zu können.
Da wir die Winkel nicht einzeln direkt in den Kühlschrank schrauben wollten, haben wir sie auf einer 2mm dicken Aluminiumplatte befestigt. So lässt sich das, nun schon fast fertige Heizelement, zur Reinigung des Inkubators auch herausnehmen.
Da, wie bereits erwähnt, wärmere Luft ohnehin immer noch oben steigt, macht es natürlich Sinn das Heizelement am tiefsten Punkt des Inkubators und nicht an der Decke zu montieren.
Wir haben zusätzlich auch noch einen Lüfter installiert, welcher die warme Luft noch schneller im Innenraum verteilt – mehr hierzu etwas weiter unten im Text.

Die Temperatursteuerung:
Das beste Heizelement steht und fällt in diesem Fall mit der Genauigkeit der Temperatursteuerung. Ein paar Euro mehr sollte man hierfür also schon ausgeben um ein Gerät mit einer Genauigkeit von ca.0,2 Grad Celsius zu erhalten.
Unsere Wahl fiel auf das „Selbstbau-Set für den Eigenbau von Aufzucht- u. Krankenboxen“ von Heers Elektronik ( www.heers.de ).
Zu einem sehr günstigen Preis von gerade mal 67 Euro erhält man einen wirklich guten Temperaturregler mit 0,1 Grad Regelgenauigkeit, sowie das oben bereits erwähnte Heizelement und einiges an Zubehör inkl. Anschlussanleitung.
Zu Beanstanden hatten wir an dem Regler bis dato nichts, lediglich das Fühlerkabel ist mit ca. 1,0 Meter für unseren Geschmack etwas kurz bemessen.
Da dieses Gerät kein Display zum Ablesen bzw. Einstellen der Temperatur besitzt, ist allerdings ein zusätzliches Thermometer zum Einstellen erforderlich.
Wer die Geduld hierfür nicht aufbringt sollte sich besser für die Variante mit Display von Heers oder auch einen anderen Temperaturregler mit besagter Genauigkeit entscheiden.

Die Umluftventilation:
Wie bereits kurz angeschnitten, ist bei hohen Inkubatoren oder Geräten mit recht großem Volumen eine Umluftventilation erforderlich um eine gleichmäßige Wärmeverteilung im Innenraum gewährleisten zu können. Ohne diese Umwälzung würden sich andernfalls Temperaturunterschiede von bis zu mehreren Grad Celsius ergeben. 
Fälschlicherweise werden Geräte mit Luftumwälzung oft als Motorbrüter bezeichnet. Motorbrüter kommen aber, unseres Wissens nur in der Geflügeleier-Inkubation zum Einsatz. Der besagte Motor sorgt dabei für eine laufende Drehung/Bewegung der Eier, was bei den meisten Reptilieneiern fatal wäre. Kurze abschweifende Worte - zurück zum eigentlichen Thema.
Drei 120mm 12-Volt PC-Lüfter sorgen in unserem Inkubator für die erforderliche Luftbewegung.
Ein Lüfter ist mittig, direkt unter dem Heizelement montiert und transportiert die erzeugte Wärme sofort ab. Zwei weitere Lüfter haben wir oben an der Decke angebracht, welche die warme Luft seitlich wieder nach unten drücken. 
Bei der Montage der Lüfter ist zu beachten, dass diese mit Distanzröhrchen – also mit etwas Abstand - montiert werden um die Luft auch ausreichend ansaugen zu können.
Weiters ist zu beachten, dass PC-Lüfter normalerweise mit Gleichstrom laufen (passendes Netzteil erforderlich, auf Kabelbelegung achten)!

Edit: Aufgrund zweier Erfahrungsberichte von interessierten Lesern unserer Seite ein Hinweis bezüglich der Verwendung von  230V Ventilatoren (statt 12V-Lüftern) zur Luftumwälzung: Bei Verwendung dieser Lüfter kann es passieren, dass die am Regler des Heizelements eingestellte Temperatur deutlich überschritten wird, da diese Lüfter selbst zu viel Wärme abgeben - also zu viel Eigenwärme produzieren - die, wie mir mitgeteilt wurde, die Temperatur im Inkubator deutlich über 31°C ansteigen lässt.
Wir raten daher von der Verwendung von 230V Lüftern bzw. der Verwendung von Geräteeigenen-Lüftern (die in manchen Getränkekühlschränken bereits fix verbaut sind) ab!


Die Innenraumbeleuchtung:
Muss nicht sein, macht aber Sinn.
Bei unserem Kühlschrank war bereits eine Innenbeleuchtung in Form eines kurzen Leuchtbalkens eingebaut. Wir mussten als nur noch die richtigen Kabel an der Rückseite des Gerätes finden.

Der Zusammenbau:
Da wir sowohl ein ausreichend starkes 12-Volt Netzteil benötigten und auch etwas Platz für die Installation des Temperaturreglers von Nöten war, haben wir einen alten Desktop-PC mit AT-Netzteil besorgt (ATX-Netzteil ginge auch, dabei müssten aber zwei Drähte am Motherboardanschlussstecker gebügelt werden)
Nachdem wir die nicht erforderlichen PC-Komponenten entfernt hatten, blieb also ein leeres Gehäuse mit Netzteil übrig.
Aus Spaß an der Freude und weil es so „stylish“ aussieht haben wir noch eine Lüftersteuerung mit LED-Beleuchtung besorgt und eingebaut. So lässt sich die Geschwindigkeit der Lüfter stufenlos steuern und sie laufen nicht ständig auf Volllast. 
Passende Anschlüsse für die Steuerung waren durch das PC-Netzteil ja bereits gegeben.
Den Temperaturregler haben wir dann an eine freie Stelle (Platz war ja genügend vorhanden) montiert. Für die Kontrollleuchte, den Reglerknopf sowie einen An/Aus-Schalter mussten wir anschließend noch 3 Löcher in die Front des Gehäuses bohren um diese anbringen zu können.
Nach dem Verbinden der einzelnen Komponenten und dem Anschluss ans Stromnetz war es das dann auch schon.
Ergänzt mit einem relativ genauen Digitalthermometer (dieser wurde auch gleich in das PC-Gehäuse mit eingebaut und das Fühlerkabel nur durch verlegt) war der Inkubator einschließlich Steuereinheit somit fertig.

Die Inbetriebnahme:
Mit dem BTR-500 Temperaturregler von Heers ohne Display bedarf es etwas Zeit um die gewünschte Temperatureinstellung zu finden, das wäre z.B. mit einem Hobby-Biotherm oder einem anderen Gerät mit Display erheblich einfacher. Nachdem die passende Einstellung gefunden war lief aber sowohl Luftumwälzung als auch Beheizung einwandfrei.
Die Aufheizzeit von ca. 20 Grad auf 31 Grad Celsius betrug gerade mal 10 Minuten!
Danach sprang der Regler bzw. die Heizung alle paar Minuten für wenige Sekunden an. Bei nur wenigen Gelegen ist es also sicher empfehlenswert zusätzlich etwas „Wärme-Speichermasse“ z.B. in Form von wassergefüllten PET-Flaschen in den Inkubator zu legen.

Die Kostenzusammenstellung:
Natürlich wollen wie euch auch die, beim Bau entstandenen Kosten nicht vorenthalten:

Getränkekühlschrank (Defektgerät) 20,00 €
Brüterset von Heers inkl. Versandkosten 76,10 €
Metallwinkel 6,76 €
Alter PC 0,00 €
Lüftersteuerung inkl. Versandkosten 10,50 €
PC-Lüfter 0,00 €
HACCP-Thermometer 17,95 €
Verbindungskabel, Kleinteile etc. 15,00 €
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Summe 146,31 €

Fazit:
Etwas handwerkliches Geschick und Elektro-Grundkenntnisse sind sicher von Vorteil – eine Hexerei war es jedenfalls nicht, das Teil in der gewünschten Form zum Laufen zu bringen.


 

 

 

Kühlschrank Inkubator inkl. Steuereinheit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heizelement mit Ringrohrheizung

 

Befestigung Ringheizung

 

 

 

Brüterset von Heers

 

 

 

 

aufdistanzierter unterer Lüfter

 

obere Lüfter

 

 

 

 

 

 

alter PC als Steuerpaneel

 
   
   
   
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